Bangkok — Das thailändische Sozialversicherungsamt (SSO) steht unter massivem Druck, sich zu reformieren. Kritiker werfen der Behörde vor, dass exzessive Ausgaben, schlechtes Budgetmanagement und mangelnde Transparenz das Sozialversicherungssystem des Landes an den Rand des Zusammenbruchs gebracht haben. Die SSO verwaltet Leistungen wie Gesundheitsversorgung, Renten und andere Sozialleistungen für rund 24 Millionen Thailänder. Doch viele fordern eine umfassende Überholung der Behörde, um deren Effizienz zu steigern und die Zukunft der Leistungen zu sichern.
Kritik an Verschwendung und Ineffizienz
Die SSO geriet kürzlich in die Schlagzeilen, als der Haushaltsausschuss des Parlaments das Finanzmanagement der Behörde untersuchte und Bedenken hinsichtlich ineffizienter Ausgaben äußerte. Rukchanok Srinork, Sprecherin des Ausschusses und Abgeordnete der People’s Party, kritisierte insbesondere eine Auslandsreise von SSO-Mitarbeitern, die 2,2 Millionen Baht (etwa 60.000 Euro) kostete und First-Class-Flüge sowie Unterkünfte in Fünf-Sterne-Hotels umfasste.
Darüber hinaus wurde das Budget für IT-Dienstleistungen und Anwendungen in Frage gestellt. Die SSO+-App, deren Entwicklung 276 Millionen Baht (etwa 7,5 Millionen Euro) verschlang, erhielt von Nutzern lediglich eine Bewertung von 1,5 von 5 Punkten. Auch die hohen Ausgaben für Kalender und andere vermeintlich unnötige Posten wurden als Beispiele für Fehlmanagement angeführt.
Transparenzmangel und wachsende Ausgaben
Die Betriebskosten der SSO sind von 4 Milliarden Baht im Jahr 2020 auf 6,61 Milliarden Baht im Jahr 2023 gestiegen. Die Hotline des SSO, die jährlich mindestens 100 Millionen Baht verschlingt, steht ebenfalls in der Kritik. Trotz der hohen Kosten beschweren sich Anrufer über lange Wartezeiten und mangelnde Unterstützung.
Hinzu kommt, dass die SSO im vergangenen Haushaltsjahr 336 Millionen Baht für Öffentlichkeitsarbeit ausgab. Dennoch fühlen sich viele Bürger, insbesondere junge Menschen, schlecht über die Aktivitäten der Behörde informiert. Die mangelnde Transparenz wurde weiter verschärft, als bekannt wurde, dass der jährliche Kalendervertrag der SSO im Wert von 50 bis 70 Millionen Baht selten ausgeschrieben wird.
SSO verteidigt sich
Boonsong Thapchaiyut, ständiger Sekretär des Arbeitsministeriums, verteidigte die SSO und betonte, dass alle Ausgaben und Beschaffungen gesetzeskonform seien. Marasri Jairangsri, Generalsekretärin der SSO, wies darauf hin, dass die Behörde nur bis zu 3 % der jährlichen Beiträge für Verwaltungskosten verwende, obwohl ihr bis zu 10 % zugestanden hätten. Sie betonte auch, dass die Beschaffungsrichtlinien der SSO den vom Finanzministerium festgelegten Standards entsprächen.
Forderungen nach Reformen
Experten wie Assoc. Prof. Dr. Sustarum Thammaboosadee, ein Vertreter der Beitragszahler im SSO-Vorstand, fordern mehr Transparenz und öffentliche Kontrolle. Er schlug vor, dass die SSO dem Vorbild der Bangkok Metropolitan Administration (BMA) folgen und das Konzept der offenen Daten übernehmen sollte. Dies würde die Rechenschaftspflicht erhöhen und das Vertrauen der Öffentlichkeit stärken.
Darüber hinaus gibt es Forderungen, die SSO aus der Bürokratie des Arbeitsministeriums herauszulösen und in eine unabhängige Behörde mit professioneller Führung umzuwandeln. Ein Gesetzesentwurf, der dies ermöglichen soll, wird voraussichtlich im nächsten Monat vorgelegt.
Die Zukunft der Sozialversicherung
Die SSO verwaltet den Sozialversicherungsfonds (SSF), der mittlerweile über 2,6 Billionen Baht umfasst und durch Beiträge von Arbeitnehmern, Arbeitgebern und der Regierung finanziert wird. Der Fonds deckt drei Hauptbereiche ab: Kinder- und Rentenleistungen, medizinische Versorgung sowie Arbeitslosenunterstützung.
Trotz der aktuellen Herausforderungen betont Surasit Srikaew, stellvertretender Generalsekretär der SSO, dass der Fonds ausreichend Mittel habe, um die Leistungen für die nächsten 30 Jahre sicherzustellen. Die SSO plant außerdem, die Beitragsobergrenze anzuheben und die Deckung auf bisher ausgeschlossene Gruppen wie Straßenhändler, Bauern und Fischer auszuweiten.
Empfehlungen für die Zukunft
Emeritus-Professor Lae Dilokwitharat schlug vor, den Sozialversicherungsfonds auch auf Migranten aus Nachbarländern auszuweiten und die Budgetkontrolle zu verschärfen, um finanzielle Verluste zu vermeiden. Asst. Prof. Thorn Pitidol von der Thammasat Universität betonte, dass die SSO ihre Abläufe flexibler gestalten und die Beitragszahler stärker in die Entscheidungsprozesse einbeziehen sollte.
Thorn schlug außerdem vor, die Verwaltung des Krankenversicherungssystems der SSO an das National Health Security Office (NHSO) zu übertragen, das bereits erfolgreich das universelle Gesundheitsprogramm Thailands verwaltet.
Die SSO steht an einem kritischen Punkt. Um das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen und die Zukunft der Sozialversicherung zu sichern, sind umfassende Reformen unerlässlich. Dazu gehören mehr Transparenz, effizienteres Budgetmanagement und eine stärkere Einbindung der Beitragszahler. Nur so kann das System langfristig stabil bleiben und seine wichtige Rolle als soziales Sicherheitsnetz für Millionen von Thailändern erfüllen.