Ein kurzes Wort zur Politik in Thailand

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Published in Als Senior in Thailand
Freitag, 08 Februar 2019 14:00
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Halt, ich weiß, was Sie jetzt gleich dagegenhalten werden: Das interessiert Sie nicht, das hat Sie nicht zu interessieren, das betrifft Sie nicht und die sollen doch ihren Mist gefälligst alleine machen usw. Im Prinzip ja, aber…
Die politische Situation in Thailand – wie in jedem anderen Land – sollte eigentlich keine Rolle spielen bei der Entscheidung, ob man sich in diesem Land aufhalten möchte. Aber leider hat die Politik auch einen gewissen Einfluss auf die Lebensqualität der Menschen. Einfaches Beispiel: Wenn die Regierung keine Ausländer mag, weil die immer alles besser wissen und vom Ausland aus die Politik des Landes kritisieren (bekannt dafür die USA oder die UNO), dann kann es passieren, daß die Vorschriften zur Erteilung von Visas strenger werden. Daß die Einreise erschwert wird. Oder für die Ausreise auf einmal Dokumente vorgelegt werden müssen. Politische Retourkutschen…
Wenn die Presse zensiert wird, dann werden damit plötzlich alle möglichen Schweinereien unter den Teppich gekehrt, auch solche, die Touristen betreffen: Kriminelle Aktionen gegen Touristen werden nicht berichtet, aus Angst vor Image-Verlust, oder wenn Touristen plötzlich Schmiergeld zahlen müssen, um eigentlich selbstverständliche Leistungen zu bekommen. Oder wenn bei Ausländern mit zweierlei Maß gemessen wird, z. B. bei Eintrittsgeldern.
Also es betrifft Sie doch, zumeist indirekt, aber manchmal auch ganz direkt. Das ist kein Grund zu sagen, „O je, Finger weg von Thailand!“, ich will Sie nur dafür etwas sensibilisieren, daß ein paar Dinge Sie auch betreffen werden, mit denen Sie vielleicht nicht gerechnet haben. Und das ist – in aller Offenheit – überall auf der Welt so, nicht nur in Thailand. Sie sollen ja auch nicht anfangen, mit Thais zu politisieren, nur vielleicht etwas Aufmerksamkeit darauf verwenden zu verfolgen, was um Sie herum vorgeht.
Fakt ist, Thailand ist derzeit eine Militärdiktatur, etwas anderes zu behaupten ist Augenwischerei. Egal ob es ein gewähltes Parlament gibt oder nicht, derzeit hat das Militär die Zügel in der Hand. Und das ist leider nicht die Ausnahme. Ohne jetzt die einzelnen Jahre „mit“ und „ohne“ zusammenzurechnen, ich glaube, die meiste Zeit hatte Thailand eine Militär-Regierung.
Ein wesentlicher Aspekt davon ist die Korruption und das ist bereits etwas, das Sie ganz sicher betreffen wird. Angefangen von dem Polizisten, der Ihnen einen Strafzettel „bar, aber unter dem offiziellen Preis“ verkauft bis hin zu „Beschleunigungsgebühren“ auf einigen staatlichen Stellen und Ämtern. Nun gibt es Korruption auch ohne Militärdiktatoren, aber ich behaupte mal, je diktatorischer die Führung, desto korrupter das Land.
Ein weiterer Punkt ist die verstärkte Rechtlosigkeit in einer Diktatur. Wenn Sie sich übervorteilt fühlen, dann bringt es oft nichts, sich an die Polizei oder (wenn es um mehr geht) ans Gericht zu wenden, denn dann bekommt derjenige Recht, der mehr Geld oder mehr Einfluß hat. Und das ist in der Regel erst Mal die Thai Person, so sorry. Je diktatorischer, desto rechtloser ist zudem der einzelne „kleine Mann“.
Ein ganz konkretes Beispiel: Laut Bangkok Post vom Februar 2017 warnt der Thai Premierminister General Prayuth vor der Besessenheit auf die (bürgerlichen) Rechte. So forderte er die breite Öffentlichkeit auf, nicht von Demokratie, Rechten und Freiheiten besessen zu sein, denn die Beschäftigung mit diesen Themen könnte zur Anarchie führen. Er sagte, die Menschen sollten andere Dinge in Betracht ziehen, etwa bereits existierende Gesetze. "Wenn sie  Rechte, Freiheiten und Demokratie in jeder Frage zum Thema machen, wird sie das zur Anarchie führen", sagte er.
Vielleicht bin ich da ein bißchen altmodisch, aber ich gehöre zu den Leuten, die ihr eigenes Schicksal lieber selbst in die Hand nehmen, statt es anderen zu überlassen, in Uniform oder ohne. Erfahrungsgemäß setzen diese Leute dann ihre eigenen Interessen (und Einnahmen) über die aller anderen.
Und last not least, in Diktaturen wird eher auf Minderheiten losgegangen, als Ventil für den Volkszorn und öfters noch, um von den wirklichen Problemen abzulenken. Und auf einmal sind wir „Westler“ die Ausländer, die Fremden, die Minderheit, an der man als Regierung viele Dinge ausprobieren kann. Thema Visa-Verschärfung, höhere Preise und Gebühren oder andere oft unsinnig erscheinende Maßnahmen. Was Pegida und AfD mit den Flüchtlingen in Deutschland machen, das passiert hier dann umgekehrt, da sind „die Westler“ auf einmal die Bösen.
Was mir persönlich auf den Senkel geht, das ist die Tatsache, daß man sich bald sparen kann, lokale englischsprachige Zeitungen zu lesen, denn dort wird man nur noch die Informationen finden, die die Regierung abgenickt hat. Kritische Beiträge sind da Fehlanzeige, leider. Kritische Meinungen werden nicht toleriert, es sind schon wieder eine Menge meist junger Leute in „Umerziehungslager“ der Gehirnwäsche unterzogen worden.
Was ist, wenn die Bevölkerung Angst vor der Obrigkeit haben muß, weil sie kontrolliert wird wie zu Adolfs oder Erichs Zeiten? Wenn kein Thai mehr etwas sagt, da er Angst haben muß, spurlos zu verschwinden, weil die falschen Leute seine Ansichten mitbekommen haben. Das passiert leider zur Zeit bereits, wenn auch nicht so umfassend wie vor ’45 oder in der DDR seinerzeit. Schauen Sie mal hier nach, auch wenn es in Englisch ist und sich nicht nur auf die Zeit ab 2014 beschränkt www.lukeduggleby.com/for-those-who-died-trying.
Seit 2014 gibt es eine Militärregierung in Thailand, die keinerlei Kritik duldet. Oder gar Aufdeckung ihrer Korruption.
Nun ist es nicht so, daß das nur in Thailand so schlimm ist. So hat Kambodscha seit 1978 den immer noch gleichen korrupten Herrscher namens Hun Sen, immer schön brav in Wahlen abgenickt. Seine Gegenspieler wandern entweder in den Knast oder gleich auf den Friedhof. Die „Demokratisierung“ Burmas (Myanmar) ist auch noch ganz am Anfang und Laos und Vietnam sind ebenfalls nicht gerade bekannt als Freunde freier Meinungsäußerung. Auf den Philippinen wird im Moment zum Halali geblasen und auf alle echten und vermeintlichen Drogenhändler Jagd gemacht, ähnlich wie 2004 in Thailand unter Thaksin. Sie sehen, es war schon mal wesentlich demokratischer und freundlicher in Thailand, aber drum herum schaut es derzeit auch nicht viel besser aus.
Weshalb ich das hier alles aufzeige? Damit Sie wissen, was um einen herum vorgeht, auf was man achten muß, was man machen kann und was man keinesfalls tun sollte, um in Frieden gelassen zu werden. Dabei muß man sich nicht zur grauen Maus degradieren, meist reicht es, einfach ab und zu mal zu überlegen, ob es sich lohnt (!), kontra zu geben oder auf seinem Recht zu bestehen. Und politisches Schwadronieren ist sowieso nirgendwo angesagt.
Wenn man nach Thailand geht – und es gibt wirklich immer noch genügend Gründe dafür – dann sollte man das im Hinterkopf behalten. Ich will Sie nicht erschrecken, sondern nur darauf aufmerksam machen. Darauf nämlich, daß Thailand einen Schritt zurück in der politischen Entwicklung gemacht hat, und wie manche behaupten, um 50 Jahre zurück.
Ich selbst lebe schon so lange in Thailand, ich habe wohl das ganze politische Spektrum in Thailand miterlebt – inklusive dreier Militär-Putsche - und trotzdem, ich fühle mich in Thailand gut aufgehoben, sicher und zu Hause. Deshalb rate ich Ihnen, machen Sie es genauso, genießen Sie Thailand, gehen Sie mit offenen Augen und Ohren durchs Leben in Thailand und seien Sie sich bewußt, daß Thailand eben nicht Deutschland ist. Aber wahrscheinlich sind Sie ja genau deshalb an Thailand interessiert...
Und im Zweifelsfall kann man mit dem Ratschlag meiner Großmutter: „Schwätze muaß `mer“ vieles zu seinen Gunsten drehen: Man muß nur mit den Leuten ganz normal reden, denn das sind auch nur Menschen. Selbst wenn sich einige hinter einer Uniform verstecken.
Abschließend: Egal wie die politische Lage sein mag, es ist im Ausland immer eine gute Idee, auf der Elephand-Liste registriert zu sein. Die heißt leider wirklich so, ist aber ein internationales Register aller Deutschen im Ausland. Wenn ausnahmsweise wirklich Gefahr drohen sollte, dann kann die Botschaft Sie dadurch schnell erreichen. Das ist doch auch beruhigend...(Link ist am Ende des Ratgebers)

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