Sexsklaverei in thailändischen Touristenorten

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Published in Thailand
Freitag, 15 Juni 2018 00:34

Chiang Mai - Am späten Abend gehen die Jungs zu zweit am beliebtem Tha Phae-Tor in Chiang Mai spazieren und schlendern an Touristen vorbei, die dort fotografieren, während die Einheimischen um Souvenirs feilschen.

Niemand würde die Jungs mit den älteren, weißen Männern  und einem chinesischem Paar , das unter einem Baum sitzt, oder dem jungen Mann mit dem Mobiltelefon, der sich an einem geparkten Motorrad anlehnt, verbinden.

Aber für Alezandra Russell, Gründerin des gemeinnützigen Vereins Urban Light, fasst diese Szene, die sich jeden Abend an einem der beliebtesten Touristenziele des Landes entfaltet, alles zusammen, was mit Thailands Herangehensweise an Menschenhandel und Sklaverei falsch läuft.

„Der Dialog in Thailand - und auf der ganzen Welt - konzentriert sich auf Frauen und Mädchen, denn die allgemeine Wahrnehmung ist, dass Jungen groß und stark sind und dass sie auf sich selbst aufpassen können“, sagte Russell und wies auf die getätigten Geschäfte hin.

Die Jungen im Alter von 14 bis 24 Jahren sind immer zu zweit, um sicherer zu sein. Sie nehmen Blickkontakt mit den Männern auf. Dann teilen sie dem Mann mit dem Mobiltelefon ihre Wahl mit. Sobald der Deal abgeschlossen ist, gehen die Jungs in eine Seitengasse, um auf ihre Kunden zu warten.

Wenn niemand angetroffen wird, gehen die Männer zu einem von Dutzenden Bars und Karaoke-Lounges, die Jungs zum Sex anbieten. Die Preise reichen von 2.000 Baht ($ 62) für eine Stunde bis 5.000 Baht für länger in einem Hinterzimmer oder im Hotel des Kunden, sagte Russell.

„Warum schockiert und empört es die Leute nicht so sehr wie wenn es Mädchen sind?“, sagte Russell, die eine Anlaufstelle für Jungs in Chiang Mais Sexindustrie ist.

„Sie sind nicht weniger verletzlich und werden ganauso misshandelt wie Mädchen, die zu Sexarbeit verschleppt werden. Aber es wird viel mehr versteckt, so dass es viel weniger Sympathie und viel weniger Hilfe für Jungs gibt“, sagte sie.

Kinder werden aus Kambodscha, Laos, Myanmar und Vietnam nach Thailand verschleppt. Opfer aus Bangladesch, Pakistan, Nordkorea und China reisen auf dem Weg in die Vereinigten Staaten, Westeuropa und Russland auch durch Thailand, sagen Aktivisten.

„Wir sind uns bewusst, dass es auch Jungs im Sexhandel gibt“, sagte Kritat Uamson, stellvertretender Leiter der Abteilung für Menschenhandel des Justizministeriums in Bangkok. „Aber die Mehrheit der Sexarbeiter sind Mädchen und Frauen, deshalb liegt unser Hauptaugenmerk auf Frauen.“

Laut UNICEF, der Kinderorganisation der Vereinten Nationen, werden weltweit jährlich 2 Millionen Kinder sexuell ausgebeutet. Eine beträchtliche Anzahl sind Jungs, sagen Aktivisten.

Jungs in ärmeren Ländern sind besonders gefährdet, da sie oft gezwungen sind, zu arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen, und am Ende zu beliebten Touristenattraktionen gelockt werden.

Die thailändischen Sandstrände, die vergoldeten buddhistischen Tempel und die populäre Küche lockten im Jahr 2017 einen Rekord von 35 Millionen Besuchern an. Laut Regierungsangaben wird diese Zahl auf 38 Millionen in diesem Jahr steigen.

Obwohl Prostitution illegal ist, wird es toleriert.

Go-Go-Bars, Karaoke-Lounges und Salons mit „Seifenmassagen“ und Schaumbäder, die meist mit Sex enden, findet man in den meisten Städten und Seebädern wie Phuket und Pattaya.

Gewalt und Missbrauch sind ebenso verbreitet wie Drogenmissbrauch und sexuell übertragbare Infektionen, einschließlich HIV. Dies ergab eine Studie von 2013 über Jungen in der Sexindustrie in Chiang Mai.

Die Jungs zeigen auch selbstverletzende und suizidale Tendenzen, sagte Russell, die ihre Verlobungs- und Hochzeitsringe verpfändete, um Urban Light zu gründen.

„Sie sind so vielen Misshandlungen und Gewalt ausgesetzt. Ich habe gesehen, dass Jungs zu mir kamen, die sich nicht einmal hinsetzen konnten. Kein 15-Jähriger sollte das durchmache“, sagte sie.

„Aber wir sollten uns nicht nur darauf konzentrieren, Jungs von der Straße zu holen. Wir müssen die Familien und Gemeinschaften, die sie in Gefahr bringen, mit einbeziehen und über Kinderrechte und sichere Migration sprechen“, sagte sie der Thomson Reuters Foundation.

In einem in 2016 von der Walk Free Foundation erstellten Global Slavery Index wird schätzt, dass in Thailand 425.500 Menschen unter Bedingungen der modernen Sklaverei - einschließlich sexueller Ausbeutung - leben.

Um das Image des Landes zu verbessern, hat die Regierung kürzlich eine Partnerschaft mit Fluggesellschaften und Wohltätigkeitsorganisationen geschlossen, um Besucher vor Menschenhandel zu warnen und sie aufzufordern, Verdachtsfälle zu melden.

Es führt auch Berufsausbildung für gefährdete junge Leute durch und betreibt 24-Stunden-Hotlines, sagte Krittat.

Aber die meisten dieser Bemühungen konzentrieren sich auf Mädchen und Frauen und machen Jungs und junge Männer anfällig, sagen Aktivisten.

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Read 2712 times Last modified on Donnerstag, 14 Juni 2018 19:50

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