Presse bietet Gegenmittel gegen „Fake News“-Epidemie

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Published in Bangkok
Sonntag, 24 Mai 2020 00:12

Bangkok - Desinformation, Fehlinformation, „Fake News“ und ungenaue, verzerrte Inhalte - welchen Begriff auch immer Sie bevorzugen - sind kein neues Phänomen. Die historischen Aufzeichnungen reichen mindestens bis in die Römerzeit zurück. Der Unterschied besteht nun darin, dass digitale Technologie und soziale Medien Desinformation mit beispielloser Geschwindigkeit verbreiten und ein breiteres Publikum erreichen, das weit über die traditionellen Grenzen der Distanz hinausgeht.

Seit Beginn der Covid-19-Pandemie haben wir parallele Ausbrüche von Desinformation und Fehlinformation über das Virus gesehen, die von gefälschten Coronavirus-Heilmitteln über falsche Behauptungen und schädliche Gesundheitsratschläge bis hin zu wilden Verschwörungstheorien reichen. Desinformation kann wiederum die Ausbreitung von Krankheiten beschleunigen, wirksame Reaktionen auf die öffentliche Gesundheit behindern sowie Verwirrung, Angst und Misstrauen hervorrufen.

Facebook berichtet, dass im April fast 50 Millionen Inhalte im Zusammenhang mit Covid-19 mit einem Warnschild für Desinformation gekennzeichnet werden mussten, während Twitter im selben Monat mehr als 1,5 Millionen Nutzer wegen der Verbreitung falscher Informationen und der Anzeige „manipulativer Verhaltensweisen“ herausforderte. Fast 18 Millionen Betrugs-E-Mails über das Coronavirus werden von Google in Google Mail blockiert.

Der Thai Media Fund und der private Verlag Bookscape erkannten die Herausforderungen der Informationsstörung und ihre schädlichen Auswirkungen auf den Journalismus in Thailand und organisierten am 9. Mai in Zusammenarbeit mit der Unesco, der thailändischen PBS und anderen ein öffentliches Online-Forum für Journalisten zur Bekämpfung von „Fake News“. Die Veranstaltung wurde über Facebook Live mit fast 100.000 Views übertragen.

„Während einer Pandemie spielen Journalisten und Medienschaffende eine lebensrettende Rolle bei der Bekämpfung der Infodemien“, sagte Misako Ito, Beraterin für Kommunikation und Information bei der Unesco Bangkok. Um die Bedeutung von Journalisten und Medien hervorzuheben, zitierte sie die Botschaft von UN-Generalsekretär António Guterres zum Welttag der Pressefreiheit Anfang des Monats: „Die Presse liefert das Gegenmittel: verifizierte, wissenschaftliche, faktenbasierte Nachrichten und Analysen“, sagte Frau Ito . „Er forderte die Regierungen auf, zu gewährleisten, dass Journalisten ihre Arbeit frei und unabhängig erledigen können, ohne Angst vor Eingriffen oder Vergeltungsmaßnahmen zu haben.“

In Thailand gab es seit Januar 30 bis 40 Fälle von Personen, die nach dem Computer Crime Act (CCA) wegen der Erstellung oder Verbreitung von „gefälschten Nachrichten“ angeklagt wurden, so Sarinee Achavanantakul, Schriftstellerin und Geschäftsführerin von Sal Forest Co Ltd. Frau Sarinee wies auch darauf hin, dass das erklärte Ziel zwar darin bestand, schädliche falsche Nachrichten einzudämmen, die unverhältnismäßige und weitgehende Anwendungen von Strafverfolgungsmaßnahmen jedoch auch Missverständnisse über den Geltungsbereich des CCA und die Einschränkung der Meinungsfreiheit verbreitete.

Ähnlich wie der globale Trend in den letzten Jahren standen die Mainstream-Medien in Thailand vor einer ernsthaften Glaubwürdigkeitsherausforderung, während das Volumen falscher Online-Informationen das Problem verschärfte, indem Medienunternehmen dem Risiko ausgesetzt wurden, Desinformation auszutauschen und das Vertrauen der Öffentlichkeit zu schädigen. Gleichzeitig hat die digitale Transformation die Branche vor wirtschaftliche Herausforderungen und Druck gestellt, angefangen von sinkenden Werbeeinnahmen über die Verkleinerung von Nachrichtenredaktionen bis hin zur Schließung einiger Medien.

Während jeder in diesem digitalen Zeitalter ein Content-Ersteller sein kann, beweisen professionelle Journalisten ihren Wert mit Fachwissen, Ethik und Verantwortlichkeit. Die digitale Technologie und das Zeitalter der Informationsfülle werden eindeutig von der Zunahme von Desinformation und Fehlinformation betroffen sein.

Um dieser Herausforderung zu begegnen, sind Medien- und Informationskompetenz, insbesondere Fähigkeiten zur Überprüfung von Fakten, für alle unerlässlich. Supinya Klangnarong, Mitbegründerin von Cofact.org und ehemalige Kommissarin der National Broadcasting and Telecommunications Commission, sagte, während Journalisten eine wichtige Rolle spielten, sollte jeder in der Gesellschaft über falsche Informationen im Internet informiert sein. „Ich möchte eine Kultur schaffen, in der jeder ein Faktenprüfer sein kann“, fügte sie hinzu.

Das Aufkommen von Fehlinformationen und Desinformation kann sowohl als Herausforderung als auch als Chance für den Journalismus gesehen werden, sich als Praxis und Institution zu verbessern. Es trägt zwar zum Misstrauen der Öffentlichkeit bei, bietet aber auch die Möglichkeit, dass qualitativ hochwertiger, ethischer und verantwortungsbewusster Journalismus floriert und wieder an Glaubwürdigkeit gewinnt. Prof. Charlie Beckett von der London School of Economics and Political Sciences wies auf die positiven Auswirkungen von „gefälschten Nachrichten“ hin, da dies zu Debatten und Maßnahmen führte.

Netzwerke zur Überprüfung von Fakten und zur Zerstörung von Mythen sowie Plattformen wie Facebook, Twitter und Google ergreifen Maßnahmen und mehr Verantwortung, um Fakten von gefälschten Inhalten zu trennen. Neue Tools und Richtlinien sollen Benutzern den Zugriff auf hochwertige Informationen erleichtern. Noch wichtiger ist, dass ein erneutes Interesse an Medien- und Informationskompetenz besteht, da diese als wesentliches Instrument zur Bekämpfung von Desinformation angesehen wird.

Angesichts der globalen Gesundheitskrise brauchen wir heute mehr denn je eine qualitativ hochwertige und verantwortungsvolle Berichterstattung, um nicht nur Desinformationen zu identifizieren, sondern auch fundierte Ratschläge zur öffentlichen Gesundheit zu geben und die Solidarität der Gemeinschaft zu stärken. Die Unesco erkannte die sich verändernde Kommunikationslandschaft und die Herausforderung von Informationsstörungen an und veröffentlichte 2018 ihr Handbuch „Journalismus, gefälschte Nachrichten und Desinformation“, das in 10 Sprachen einschließlich Thai verfügbar ist.

Das Handbuch untersucht die Natur des Journalismus mit Modulen darüber, warum Vertrauen wichtig ist, und setzt sich kritisch mit digitaler Technologie und sozialen Plattformen als Kanal für Informationsstörungen auseinander, bekämpft Fehlinformationen und Desinformation durch Medien- und Informationskompetenz, Überprüfung von Fakten und Überprüfung von sozialen Medien.

Quelle: Bangkok Post

Read 444 times Last modified on Sonntag, 24 Mai 2020 00:15

2 comments

  • Helmut
    Comment Link posted by Helmut
    Montag, 25 Mai 2020 08:58

    Qualitativer Journalismus in Thailand? Das war einmal vor langer Zeit. Es gibt hier keinen verantwortungsvollen Journalismus, follow up von Betrugsfaellen in die Abgeordnete, hohe Beamte, etc. involviert sind, Fehlanzeige! Investigativer Journalismus, was ist das?

  • Jonny Muff
    Comment Link posted by Jonny Muff
    Sonntag, 24 Mai 2020 06:22

    Das Aufkommen von Fehlinformationen und Desinformation kann sowohl als Herausforderung als auch als Chance für den Journalismus gesehen werden, sich als Praxis und Institution zu verbessern.

    Kann man das so verstehen, dass in speziellen Zeiten, eben der Journalismus seine Blätter mit "Fehlinformationen und Desinformation" auffüllt, damit ihre Blätter nicht abmagern?



    Es trägt zwar zum Misstrauen der Öffentlichkeit bei, bietet aber auch die Möglichkeit, dass qualitativ hochwertiger, ethischer und verantwortungsbewusster Journalismus floriert

    das stört mich seit Bekanntwerden vom Corona-Virus, sehr viele Prof., Ärzte und weitere anscheinend Hochgeschulte haben ihre Denkweisen veröffentlicht, welche grossmehrheitlich in keiner Weise die selbe Aussagefähigkeit hatten.



    und wieder an Glaubwürdigkeit gewinnt.

    Dass man den Medien wieder Vertrauen und Glauben schenken darf und kann, daran müssen die journalistisch Tätigen gründlich über die Bücher gehen, denn so oberflächliche Informationen, ohne Angabe der wirklichen Orte und sachgemässen Abklärung vor Ort, kann nichts Glaubhaftes veröffentlicht werden. Heute kann jeder irgend ein Bild und ein frei erfundener Text an ein Blatt schicken, schon werden in grossen Buchstaben Stories erstellt und die Menschen vor Ort wissen peinzipiell gar nichts, das ist "Fehlinformationen und Desinformation"

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