Frauen-Power

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Published in Als Senior in Thailand
Freitag, 31 Januar 2020 12:56
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Auch auf die Gefahr, daß ich mich damit in die Nesseln setze, hier wenigstens ein paar Worte zum Thema Frauen in Thailand. Dabei kann es sich nur um ein paar Aspekte handeln, denn das Feld ist riesig. Andererseits gelten viel Dinge auch für die umliegenden Länder in Südost-Asien.
Zuerst Mal, vergessen Sie ganz schnell das Bild von der unterwürfigen Sex-Katze, die auf den Sexbomber wartet, auf seine Kohle und seinen Schmerbauch, bereit ihm jeden Wunsch zu erfüllen. Das gab es nie und gibt es derzeit schon gleich erst recht nicht! Dieses Bild dient wohl eher bestimmten deutschen Damen als Feindbild, um die „Konkurrenz“ aus Thailand madig zu machen. Wer als Mann solche Thailänderinnen sucht, der wird sie nur im Rotlicht finden, und da geht es genauso ums Geld und schon überhaupt nicht um Gefühle, wie überall woanders auf der Welt, punktum.
Die Erziehung – sofern es sowas überhaupt in Thailand gibt – von kleinen Mädchen predigt den Gehorsam gegenüber der Familie und dem Ehemann. Und zwar genau in dieser Reihenfolge! Es gibt das thailändische Sprichwort, das wohl Männer geprägt haben, daß die Frauen „wie die Hinterbeine des Elefanten sind, sie bewegen das Tier vorwärts, aber sie bestimmen nicht die Richtung“. Daran stimmt, daß die Frauen jede Menge Power haben, aber es ist falsch zu glauben, sie hätten keinen Einfluß, in welche Richtung es geht. Sie geben bloß nicht damit an, wenn sie den Mann in eine Richtung „motiviert“ haben.
Dazu kommt, daß die Frau in der Regel das Budget = Haushalts-Einkommen verwaltet. Traditionell übergibt der Mann seinen Arbeitslohn bzw. Verdienst der Frau zur Aufbewahrung und Verwaltung.  Damit ist er auch die Verantwortung los, sich darum zu kümmern, daß das Geld reicht! Denn SIE muß nun dafür sorgen, daß das Geld bis zum nächsten Zahltag reicht. Wenn ER mit Freunden einen drauf machen will, dann muß (!) sie ihm das nötige Geld rausrücken, aber jedes Mal nachfragen, das macht kein Mann öfters als wirklich (gefühlt) notwendig.
In der westlichen Welt haben wir seit ein paar Jahrzehnten eine sehr dominante Gleichberechtigungs-Bewegung von Frauen. In ganz Asien gibt es nichts dergleichen oder besser, nichts so Auffälliges wie in Europa.
Trotzdem haben die Frauen in Asien und, wo ich es direkt miterlebe, in Thailand wohl mehr Einfluß, ohne dafür erst auf die Straße oder durch die Medien marschieren zu müssen. Durch die mangelnde optische Präsenz wird dieser Einfluß schwer unterschätzt, von den einheimischen Männern aber auch von den „Emanzipierten“ in der westlichen Welt. Aber mal einfach gefragt, wo gab es mehr weibliche Regierungs-Chefs, in Asien oder in der ganzen westlichen Welt? Ohne jetzt nachzählen zu wollen glaube ich, in Asien.
Wie gesagt, in der Erziehung wird allen beigebracht, angepaßt und unauffällig zu sein, jedoch den Mädchen noch mehr als den Jungens. Das führt aber auch dazu, daß die Mädchen mehr Energie darein setzen, mit den Jungens auf pari zu sein.
Dazu kommt, daß das Bild der asiatischen Frau im Westen geprägt ist durch die Frauen in den Städten. Und das ist substantiell anders als auf dem flachen Land. Trotz des gleichmacherischen Einflusses von Fernsehen und Werbung, was ja auch die Haushalte in den Dörfern längst erreicht und beeinflußt hat. In den Städten ist der Einfluß der chinesischen Lebensweise mehr mit dem traditionellen Thai Lebensstil verwoben. In der Stadt gibt es Büro-Arbeiter, Beamte und Unternehmer, kurz Leute, die sich nicht die Finger bei der Arbeit auf dem Feld dreckig machen. In diesem Umfeld hat sich der Charakter der Frau aus der Sicht der Männer verändert, von einer Lebenspartnerin hin zu einem Schmuckstück, mit dem sich der Mann eben „schmückt“. Wo auf dem Land der „Partner beim Arbeiten“ und im Leben das Wichtige bei der Auswahl der Lebensgefährtin ist, die eben im Feld genauso mit anpacken muß wie der Mann, da gilt in den Städten eher, daß der Mann ins Büro geht und die Frau zuhause bleibt und sich u.a. darum bemühen soll, für ihren Mann möglichst lange begehrenswert zu bleiben. Das erklärt wohl auch, warum Haarwaschmittel der größte Posten in der Fernsehwerbung ist, gefolgt von „skin whitening“ Artikeln (mit Nivea/Beiersdorf ganz vorne dran). Diese Entwicklung vom Partner zum Wertobjekt ist natürlich nicht allumfassend, geht aber schon lange so. Die Werbung fördert diese Veränderung aus ganz eigennützigen Gründen. Die Kultur hält da aber oft noch dagegen, etwa in Liebesliedern und Thai Schnulzen.
In dieser Situation ergeben sich zwei Entwicklungen: Auf seiten der Männer wird der Wert-Charakter in den Vordergrund geschoben, nach dem Motto, „Ich habe eine schönere Frau als Du“ oder „Ich bin so wohlhabend, ich kann mir sogar eine Zweitfrau leisten(!)“. Auf der gleichen Schiene wird auch erwartet, daß die Frau möglichst unversehrt, also unberührt, in die Ehe kommt, der Mann aber muß seine „Männlichkeit“ ausleben und geht daher zu Prostituierten, „um Dampf abzulassen“. Das ist allgemein als normal anerkannt unter Thai Männern, und viele (aber nicht alle!) verheirateten Frauen sehen das eher pragmatisch: Eine Prostituierte im Massage-Salon ist weniger tragisch/gefährlich als eine Zweitfrau, die tendenziell die eigene Rolle übernehmen könnte, wenn „frau“ eines Tages nicht mehr so begehrenswert scheint. Zumal eine Scheidung in Thailand keine Affäre ist, das geht ruck-zuck. In besseren Familien gibt es allerdings Verteilungskämpfe, da dort auch meist standesamtlich getraut und dann gerichtlich geschieden wird. Die Mehrheit der Thais aber heiraten nur religiös im Tempel („vor Buddha“), was auch keine finanziellen Konsequenzen bei einer Trennung mit sich bringt.
Die Prostitution gab es in Thailand schon viel länger als im Westen angenommen, denn die amerikanischen GIs haben das nicht erfunden, sondern vorgefunden... und ausgenutzt. Es gibt in so gut wie jedem Kaff ein wie auch immer geartetes Bordell, sei es ein „Massagesalon“, eine Karaoke-Bar, ein Restaurant mit extra-Service im Hinterzimmer oder ein Drive-In Motel, in das man mit der Dame reinfährt und in dem dann sofort der Vorhang hinter dem Auto zugezogen wird, damit man die Auto-Kennzeichen nicht von außen erkennen kann. Und dazwischen gibt es auch noch Mischformen. So wollte ich vor Jahren mal meine Haare schneiden lassen, aber die jungen Damen hatten von allem eine Ahnung, nur nicht vom Haare schneiden...
Wenn ich von meiner Wohnung die Straße rauf und runter schaue, dann sehe ich mindestens ein Dutzend Massagesalons. Der normale Ausländer wird da ahnungslos daran vorbeigehen oder fahren, weil er die Thai Schrift nicht lesen kann, mit der jeder Massagesalon ganz groß wirbt. Und das ist auch so gewollt. Zumal die meisten solcher Establishments keine Ausländer als Kunden akzeptieren. Aber wichtiger ist, daß den Ausländern nicht auffällt, wie groß diese „Industrie“ wirklich ist, denn das wäre wiederum schlecht für das nationale Image. Vor Jahren hat mal eine Universität, ich glaube, das war sogar die Chulalongkorn Universität, eine Umfrage unter Prostituierten gemacht, wo dabei neben anderem heraus kam, daß ca 93 % aller Damen in ihrem ganzen „Berufsleben“ nicht mit Westlern zu tun hatten, sondern nur mit Asiaten, zumeist Landsleuten.
In den letzten Jahrzehnten wird auch die Stellung der Prostituierten weniger krass abwertend angesehen. Wo sich früher keine Frau gewagt hätte, erkennbar als „leichtes Mädchen“ in der Öffentlichkeit aufzutreten, geht das inzwischen – teilweise - in der Anonymität der Großstädte. Aber bei der Familie auf dem Land wird sich unauffällig angezogen und unauffällig geschminkt. Selbst wenn das ganze Dorf weiß, woher das Geld für das neue Haus der Familie kommt, es gilt den Schein zu wahren.
Und es gibt immer noch die Zwei-Klassen-Gesellschaft unter Frauen, also die „anständigen“ und die „unanständigen“ Frauen. Nicht überall, aber fast überall ist das so. Beide Arten werden versuchen, gegeneinander maximale Distanz zu wahren.
Aber ich schweife ab.
In dieser Situation, in der die Frauen scheinbar nicht die Richtung vorgeben, hat sich logischerweise ein Verhalten eingebürgert, das eben nur diesen Schein wahrt. Tatsächlich sind aber viele Frauen im Berufsleben – und hier meine ich nicht die Prostitution – in leitenden Positionen und sind Entscheidungsträger, auch im öffentlichen Leben und der staatlichen Verwaltung. Im Unterschied zu Europa wird aber der Feminismus nicht deklariert und forciert. Niemand in Thailand würde auf die Idee kommen, eine Quotenregelung einzuführen. Aber durch indirektes Agieren erreichen die Frauen viel öfters als gedacht ihre Ziele. Und sie sind sich bewußt, daß sie in den Firmen mehr leisten müssen als Männer, was aber wiederum meistens zu höherer Fertigkeit und damit einem besseren Ergebnis führt und damit ihre Position festigt. Ganz allgemein habe ich selbst festgestellt, daß Frauen verläßlicher in der Arbeitswelt sind, weshalb ich fast immer Frauen den Vorzug gegeben habe, wenn die Besetzung einer Position von meiner Ansicht abhängig war.
Einfach gesagt: Es kann länger dauern, bis die Frauen eine neue Aufgabe gelernt haben, wenn es für sie etwas total Neues ist, aber wenn sie einmal verstanden haben, worum es geht und was erwartet wird, dann brauche ich nicht alle Stunde kontrollieren,- wie bei den Männern. War einfach einfacher für mich...
Unterm Strich kann man sagen, daß der Einfluß der Frauen in der Gesellschaft unterschätzt wird und daß die Frauen wenig Interesse daran haben, dies publikumswirksam zu ändern. Irgendwie erinnert mich das an den alten (deutschen?) Witz, in dem der Mann erklärt, warum er in der Familie das Sagen hat: Er bestimmt, wer der nächste Bundeskanzler wird und sie sagt, wo sie im nächsten Urlaub hin fahren.

Thailand ohne seine Frauen? Das Land wäre glatt verratzt.

(Nächste Folge: Thai Kultur)

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