Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat

Written by 
Published in Sport
Mittwoch, 29 Mai 2019 13:01

HJB - Rookie Alex Albon hat in Monaco endgültig bewiesen, dass er in die Formel 1 gehört und nicht wegen seiner thailändischen Wurzeln im Toro Rosso sitzt.

Mit seinem achten Platz in Monaco hat Alex Albon endgültig bewiesen, dass er in der Formel 1 angekommen ist. Der 23-jährige Toro-Rosso-Rookie glänzte in den Häuserschluchten im Fürstentum teilweise mit den schnellsten Runden im Feld (nur zwei Piloten waren am Ende schneller!) und fuhr mit Platz acht sein bisher bestes Ergebnis in der Königsklasse des Motorsports ein.

Okay, Teamkollege Daniil Kwjat lag am Ende einen Platz vor Albon, und auch im Qualifying lief mit Platz zehn nicht alles perfekt, obwohl es der Toro-Rosso-Rookie erstmals in seiner Karriere ins Q3 schaffte.

Aber: Albon, der übrigens im Vorjahr in Monaco die Formel-2-Pole holte, fuhr noch nie im Formel-1-Boliden durch den engen Leitplankenkanal, in dem überall Fallen lauern. Und er ließ sich in keine einzige hineinlocken. Schon mit Platz fünf am Donnerstag ließ er stattdessen aufhorchen.

Thailändische Wurzeln sorgten für Vorurteile

"Das ist das erste Rennen in diesem Jahr, in dem wir sagen können, dass wir endlich die Punkte geholt haben, die wir verdienen", zeigt sich auch der ehemalige Formel-3-Teamkollege von Charles Leclerc und Formel-2-Dritte des Vorjahres erleichtert. Und wäre der Regen tatsächlich gekommen, wäre durch den späten Boxenstopp sogar eine Sensation möglich gewesen.

Hand aufs Herz: Ich hätte Albon diesen starken Einstand in der Formel 1 nicht zugetraut. Als Helmut Marko nach dem Vorjahr bei Toro Rosso Brendon Hartley vor die Tür setzte und mit Kwjat und Albon auf zwei Piloten setzte, die schon mal aus dem Red-Bull-Programm rausgeflogen sind, dachte ich an eine Verzweiflungstat.

Aus Mangel an attraktiven Kandidaten setzt man nun auf das Prinzip Zufall, war mein erstes Gefühl. Zudem wolle man der Red-Bull-Gründerfamilie mit dem in London geborenen Sohn einer Thailänderin, der sowohl die britische als auch die thailändische Staatsbürgerschaft besitzt, ein Geschenk machen - und auch die Formel-1-Premiere in Hanoi in der kommenden Saison verlange einen Lokalmatador. Doch da habe ich mich getäuscht.

Teamchef Tost hat Überraschung prognostiziert

Denn Albon ist eine echte Bereicherung für die Formel 1 und verdient sein Cockpit bei Toro Rosso. Das wusste Teamchef Franz Tost bereits vor der Saison. "Ich glaube, dass er die Überraschung des Jahres werden könnte", meinte der Österreicher schon bei den Tests in Barcelona. Nach Monaco hat er zwar um zwei Punkte weniger als Kwjat auf dem Punktekonto, führt aber im Qualifying-Duell nach wie vor mit 3:2.

Und er präsentiert sich im Team als lernwilliger, unkomplizierter Typ. "Er ist ohne jegliche Allüren, sieht keine Probleme und gibt einfach Gas", urteilt Marko, der es nicht ausstehen kann, wenn sich ein Youngster schon vor der Formel-1-Premiere wie ein Weltmeister gibt.

Teamchef Tost, der weiss, wie man mit jungen Fahrern arbeitet und Albon den nötigen Fokus gibt, bestätigt: "Er ist völlig unvoreingenommen. Man kann mit ihm ganz normal zusammenarbeiten. Er hört auf die Ingenieure und aufs Team. Ich glaube, das ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass er sich dann auch behaupten wird in diesem Feld."

Nach Triumph über Verstappen folgte der Red-Bull-Rauswurf

Und auch Ferrari-Senkrechtstarter Leclerc, der in der Formel 3 sogar Niederlagen gegen Albon einsteckte, urteilt: "Alex war der härteste Gegner, den ich in all meinen Nachwuchsserien hatte."

Schon in Kart-Zeiten setzte sich der Sohn des britischen Tourenwagen-Piloten Nigel Albon immer wieder gegen Leclerc, Pierre Gasly und vor allem Max Verstappen (Platz zwei im Kart-Weltcup in Braga 2010 hinter Albon) durch und fiel damit Marko auf. Doch nach dem Aufstieg in den Formelsport im Jahr 2012 entzog man dem 16-jährigen Neuling im Red-Bull-Nachwuchskader rasch das Vertrauen: Platz 17 in der Formel Renault Alps war zu wenig.

Kein grosses Ego

"Damals bin ich wirklich nicht gut gefahren", fühlt sich Albon, der als Youngster Michael Schumacher und Valentino Rossi bewunderte, alles andere als ungerecht behandelt. "Es gab keinen Grund, mich zu behalten. Da bin ich nicht nachtragend."

Obwohl seine Karriere nach dem Red-Bull-Rauswurf laut eigenen Angaben "in Gefahr" war, biss er sich durch. Seine Bewerbung für die Formel 1 gab er in Wahrheit 2018 auf, als er vier Formel-2-Rennen gewann und den Titelkampf gegen McLaren-Hoffnung Lando Norris und Williams-Rookie George Russell lange offenhielt. Wenn man sieht, wie gut sich vor allem Norris in der Formel 1 eingefunden hat, dann weiß man Albons Leistung im Vorjahr besser einzuschätzen.

"Dass gleich so viele Fahrer auf einem verhältnismäßig hohen fahrerischen Niveau und mit sehr viel Talent in die Formel 1 reinkommen und auch gute Leistungen zeigen, ist nicht alltäglich. Alle drei sind sehr talentiert", weiß auch Toro-Rosso-Teamchef Tost, der schon Piloten wie Sebastian Vettel und Max Verstappen gross machte.

Warum Albon noch besser schläft

Albon selbst schien mit der Formel 1 allerdings Ende 2018 bereits abgeschlossen zu haben: Er hatte nach seinem zweiten Formel-2-Jahr bereits einen Vertrag bei Nissan in der Formel E unterschrieben, als der Anruf von Helmut Marko kam. Kein Wunder also, dass Albon die Gelegenheit nun beim Schopf packt und mit dem nötigen Mass an Demut Topleistungen bringt.

Dass man bei Red Bull nicht daran denkt, ihn als potenzieller Nachfolger für den glücklosen Gasly beim A-Team ins Spiel zu bringen, sollte Albon übrigens noch besser schlafen lassen. Denn die grösste Gefahr ist, dass der Toro-Rosso-Rookie verheizt wird. "Für mich braucht er mindestens die zwei, drei Jahre, die ich immer angebe, dass sie ein Fahrer braucht, bis er weiss, wo es in der Formel 1 langgeht", stellt Tost klar. Und zeigt damit auch, wie gut Albons Formel-1-Einstand wirklich ist.

Read 418 times

Leave a comment

ComCon
www.comconinter.com/
IT Solutions
APG Versicherungen
www.apg-thailand.de
Versicherungen für jeden Gebrauch

Sport

Setzt Márquez die Serie fort?

Setzt Márquez die Serie fort?

HJB - Vom 28. bis 30. Juni steht für die MotoGP-Asse um Marc Márquez, Andrea Dovizioso und Co. auf d...

Weitere 71 Runden Langeweile?

Weitere 71 Runden Langeweile?

HJB - Es sieht fast darnach aus. Doch halt: 2018 schieden beide Silberpfeile aus. Vielleicht doch wi...

Wochenblitz Kolumnen
Loading...

Bleiben Sie mit uns in Verbindung

Kontakt

Thai-German Media and Consulting Co.,Ltd.
 บริษัทไทย-เยอรมัน มีเดีย แอนด์ คอนซัลติ้ง จำกัด


Glas Haus Buildg. Level P, Unit P01,
1 Sukhumvit Soi 25, N. Klongtoei, Wattana


Bangkok 10110

 

Tel: +66 (0) 8 9090 3571

Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Website: http://www.wochenblitz.com